Der Blogger: Stiefmütter und Rabenväter

Blogger sind derzeit beliebt. Die müssen nicht adoptiert werden, sie werden nicht von Rabenvätern verstoßen, noch werden sie stiefmütterlich behandelt. Das Gegenteil ist der Fall. Man braucht nur aufstehen und rufen: “Ich bin ein Blogger, schenkt mir was ein!” Und schon hat man das Glas voll. Die Folge: Diskussionen ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, bleiben in einigen Blogs leider aus. Vielmehr werden dann PR-Texte oder sehr anbieterfreundliche Texte veröffentlicht.

Wieso schreibe ich darüber? Ich bin vor einigen Jahren als Outsider-Blogger angetreten. Eigentlich war das keine Wahl. Der Weg in den traditionellen Journalismus war - trotz mehrerer Veröffentlichungen in bundesweit erscheinenden Tageszeitungen - aufgrund von Ineffektivität dieses Vertriebwegs versperrt. Somit wurde ich ca. zwei Jahre lang von Winzern, Weinerzeugern, Leuten aus den Weinmarketing und Pressestellen nach aller Art “Geteert und Gefedert”. Manche Personen von damals vergesse ich schwer.

Was passiert jetzt? Der Blogger ist vieler “liebstes Kind”, wie Vater, Blogger und Weinmacher Dirk Würtz zurecht schrieb. Man kann sich das kaum anders vorstellen. Und gerade doch der Zustand zuvor sollte nicht in Vergessenheit geraten. Gestern ereilte mich eine Antwort-Mail eines bedeutenden Erzeuger-Verbandes. Hier der unkenntlich gemachte Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Günther,

leider ist es uns nicht möglich, Ihre … Anfrage zu unterstützen, da es sich bei der Seite, um einen Blog handelt.

Unser … Informationsbüro ist vom … mit der Pressearbeit … in Deutschland und Österreich beauftragt. Bitte haben Sie Verständnis, dass … ausschließlich für die Presse reserviert ist.

Bei Fragen, können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]”

Fragen habe ich da einige. Ich glaube jedoch nicht, dass diese ohne, dass die Absenderin dies als Beleidigung empfinden würde, gestellt werden können. Von daher bleibt mir eigentlich nur der Dank an dieses Pressebüro, dass ich mich daran erinnern konnte, wie es früher war. Und das ist Gold wert. Denn nicht nur die alten Muster und die alten Personen rücken wieder wichtiger ins Gedächtnis. Auch noch deutlicher zu hinterfragen, was heute passiert, scheint wichtiger denn je.

Kommentare

  1. Mach Dir nix draus… Diejenigen, die derart reagieren werde früher oder später auch noch einsichtig

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