Sind Blogs unhistorisch? - Was interessiert mich mein Beitrag von letzter Woche!
Die verbreiteteste Definition von Blogs bezeichtnet diese als umgekehrt chronologisch aktualisierte Internetseite. Entgegen Büchern oder traditionellen Tagebüchern wird eine Geschichte dann vom Surfer zumeist nicht vom Beginn an gelesen, sondern der aktuelle Zustand steht im Zentrum der Betrachtung. Dies ist einer Grundeigenschaft des Journalismus ähnlich: Aktualität. Gleichzeitig führt dies dazu, dass eine Entwicklung einer Geschichte entweder dann neu erzählt werden muss (zumeißt mit der Zuhilfenahme von Links) oder außerhalb der Wahrnehmung bleibt.
Dies hat die Tendenz unhistorisch zu werden, da die Geschichte sich nicht wie in einem Buch aus einer geschriebenen und damit festgelegten Vergangenheit erschließt, sondern sich dieser Geschichte (wenn überhaupt) selektiv bedient wird. So wie die Geschichtswissenschaft eine Erweiterung und durch eine notwendige Komplexitätsrduktion immer auch Revision vorheriger Erkenntnisse oder zumindest der Gewichtung dieser bedeutet, kann in der Blogsphäre sich einer Vielzahl (zum Teil) wiedersprüchlicher Geschichten bedient werden. Der Link ist das Mittel dazu.
Die Vielzahl der existierenden subjektiven Vergangenheiten und die Fixierung auf die Aktualität führt auch zu einem anderen Zeitempfinden: Der Jetztzeit. Damit sind Blogs als solche nicht komplett unhistorisch, aber man kann einen alten Spruch aufmöbeln: Was interessiert mich mein Beitrag von letzter Woche. Die schwankenden Aufmerksamkeitsökonomieen in der Blogsphäre tragen neben der Informationsüberflutung eh zu einer schnellen Überholung von Inhalten bei.
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