Von der Homepage zum sozialen Netzwerk
Alle reden derzeit vom Web2.0. Bei dem ganzen Boom des Begriffs erinnert sich kaum jemand an die erste Phase des Netzes. Diese war wesentlich von einer Vorstellung gekennzeichnet, dass es sich beim Internet um etwas parallelem zu realen menschlichen Interaktionen handelt. Es war etwas Fremdes. Wie ein neuer Planet galt es das Internet zu besiedeln. Der damals die Runde machende Trend-Begriff der Homepage ist hierfür der passende Ausdruck.
Wenn es etwas prototypisches für Web1null gibt, so ist es die Vorstellung mit einer Homepage ein begrenztes Zuhause in einer neuen Welt zu finden. Genauso wie ein Haus einmal gebaut ist, waren die Seiten konzipiert. Man beauftragte häufig einen professionellen Webdesigner oder ein vornehmlich jungen Menschen aus dem bekannten oder verwandten Umfeld, der statische Seiten in Netz stellte. Das Claim auf dem Planeten Internet war eingezäunt und die Seiten konnten dann veralteten. Wie von Unkraut überwachsen blieben diese Seiten dann häufig ohne Aktualisierungen. Einige dieser Homepages bestehen immer noch. Mit der Wayback-Machine können andere von ihnen wieder aufgerufen werden.
Schon zu der Zeit hätte auffallen müssen, dass das Internet kein zu bebauender Ort ist, sondern eine stark enträumlichte neue Kommunikationspraxis ermöglicht. Dabei ist die Enträumlichung bereits in der vorangegangenen elektronischen Kommunikation angelegt. Nun ist die Abgrenzung von Web2null etwas schwimmend. Die klassische Homepage wird zumindest in Teilen noch einige Zeit erhalten bleiben, da sie durch ihre statische Eigenschaft eine Berechtigung besitzt. So gibt es ja auch in Blogs (diese sind ein sehr wesentlicher Bestandteil der Dynamisierung des Netzes) statische Seiten bei denen z.B. die Kommentarfunktion deaktiviert ist. Wieso sollte auch die Anschrift eines Betreibers im Impressum kommentiert werden? Es gibt grundsätzlich interaktionsunwürdige Inhalte. Mindestens sind einige von Faktizität gekennzeichnete Inhalte nur mit Subjektivität zu kommentieren (z.B. die Uhrzeit: „ich dachte es wäre früher“).
Ebenso wie Elemente des klassischen Web1null überdauern werden, waren einige der ersten Internetseiten schon Blogs. Dynamische Seiten (z.B. Diskussionsboards) existierten schon sehr früh. Dies lässt sich jedenfalls bezüglich einiger Nutzungs- und Schreibpraxen her erkennen. Beispielsweise betrieben Netzwerkadministratoren zu dem Zeitpunkt schon, als kaum jemand das Wort Internet kannte, ständig aktualisierte Seiten, auf denen die Nutzer über Probleme des Netzwerks, angekündigte Wartungsarbeiten oder ähnliches informiert wurden. Der Kern des Neuen an Web2null ist somit erst einmal die konkret eingesetzte Technik (wie z.B. die Blogsoftware Wordpress).
Jedoch lässt sich der Wandel nicht nur auf technischer Ebene verstehen, sondern ist vor allem von der Seite der Interaktionen her zu entschlüsseln, da der Leser durch viele Möglichkeiten im Rahmen von Web2null zum Autor wird und somit in die Sinnproduktion im Netz eingebunden wird. Damit wird dies zu einem sozialen Prozess. Ein neues Schlagwort neben Web2punktnull ist nun auch das „social networking“. Unter dem Begriff wird derzeit ein Grundbegriff der Soziologie, nämlich der des sozialen Netzes, zu einem Marketingschlagwort umgedeutet. Dies verlagert nunmehr nach einer Einbeziehung der Betrachtungsebenen von Kommunikationswissenschaft und Soziologie. Daher auch exblogs.de.
P.S: Weiterere spannende Aspekte sind, wie im „second Life“ mit dem Gedanken der Parallelität, der Interaktion zwischen Menschen und einer Rückkopplung des Außerhalb des Lebens stehenden mit diesem Leben stattfindet.
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